Der Zusammenhang zwischen einem Werk und dessen Künstler ist ein deutlich nuancierter als auf den ersten Blick angenommen. Verliert ein geniales und universell angesehenes Werk an Stellenwert, falls es von einer verachtenswerten Person stammt? Und wenn ja, ist dies berechtigt? Diese Fragen tauchen vermehrt im Zeitalter der sogenannten “Cancel Culture” auf, bei welcher Personen mit verwerflichen Meinungen oder Taten boykottiert werden.

Um der Antwort auf die Schliche zu kommen, sind wir zu Besuch bei dem Experten Justus Berthold, Künstler und Präsident des Komitees für freie Kunst.

Der Präsident empfängt uns in seiner Wohnung, um ein Interview zu führen. Er führt uns zu einem Kaffeetisch in seinem Wohnzimmer und bietet uns Läderach Schokolade an. In diesem Augenblick fällt uns auf, dass der Song “Egal” von Wendler leise im Hintergrund zu hören ist, bevor die Musik prompt zu Rammstein wechselt.

Wir fragen Justus Berthold die provokative Frage, ob Künstler und Kunst definitionsgemäss trennbar seien. “Selbstverständlich”, meint der Künstler: “Ich habe viele Werke von Künstlern, welche ich nicht zwingend unterstütze. Das Werk spricht für sich!” Er zeigt auf ein Bild an der Wand: “Dieses wunderschöne Bild hat Adolf Hitler gemalt. Ich bin keineswegs ein Nationalsozialist, ich glaube aber kaum, dass mir jemand widersprechen würde, wenn ich sage, das Gemälde sei eines der schönsten der Welt.”

Das Gemälde “Mutter Maria” von Adolf Hitler

Zwischen den Portraits von Christoph Blocher und der Flagge der Konföderierten Staaten von Amerika erkennen wir ein Regal mit Schuhen. “Hierbei handelt es sich um die gesamte Yeezy Kollektion von Kanye West”, sagt Berthold stolz. Die Musik im Hintergrund wechselt zu Freiwild.

Herr Berthold öffnet eine Schublade des Kaffeetisches: “Auf diese Kollektion bin ich besonders stolz. Meine selber designeten modischen Armbänder.” Er zeigt auf die Armbänder mit einem weissen Kreis auf rotem Hintergrund. Er zieht den rechten Handschuh seiner Kuh-Kux-Clan-Robe aus, um uns das Armband genauer zu zeigen. Die haken-artigen schwarzen Motive auf dem weissen Hintergrund sind jedoch schwer zu erkennen, da der Meter-grosse Reichsadler auf dem Kaffeetisch die Sicht versperrt.

“Sie haben bestimmt Vorurteile, was meine politische Meinung angeht”, meint Berthold: “Meine Kleidung und meine Kunst sind ein Fashionstatement, nicht eine Aussage über meine politische Orientierung. Aber ich glaube kaum, dass Mainstream-Medien wie Sie das verstehen!” Er zieht den Handschuh der Kuh-Kux-Clan-Uniform wieder an und zeigt in die Richtung des Ausgangs der Wohnung.

Wir bedanken uns bei Justus Berthold für das Interview und suchen den Ausgang. Links neben dem Dartboard mit Alain Berset als Bullseye-Sujet und rechts der sechs Jugendlichen mit den modischen Armbändern des Künstlers ist die Türe, mit welcher wir prompt das Apartment verlassen.